Produktbeschreibung
Der Herbst ist eine Übergangszeit. Grau und verhangen ist der Himmel tagsüber, und nächtens sind Sterne und Mond meistens hinter den Wolken versteckt. Die klimatische Gesamtlage dieser Jahreszeit passt ganz gut zum aktuellen Zustand der Kirche. Darüber hinaus bietet der Herbst auch metaphernreiches Sprachmaterial, welches diesen Eindruck erhärten könnte. Diesem möchten wir aber nicht noch unnötig zu herbstlichem Glanz verhelfen, sondern die Aufmerksamkeit auf das Jubiläum eines ganz besonderen Konzilsdokuments lenken, nämlich Nostra aetate. Dieses wurde 1965 im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils verabschiedet und hat die Sicht auf religiöse Vielfalt grundlegend verändert. Den Jubilar könnte man durchaus als einen Silberstreif am Kirchenhorizont bezeichnen. Schließlich markiert Nostra aetate einen Wendepunkt: weg von Distanz und Abgrenzung, hin zu Respekt, Dialogbereitschaft und der Anerkennung der Verschiedenheit als Bereicherung.
Diese Perspektive ist bis heute prägend – nicht nur für die theologische Diskussion, sondern auch für die Praxis des Religionsunterrichts, der Lernende befähigen möchte, mit Offenheit, Urteilskraft und Verantwortung in einer pluralen Welt zu handeln.
Bernhard Uhde zeigt die Entwicklung des Verständnisses der Beziehung zu nichtchristlichen Religionen seit der Antike auf. Dem Autor gelingt es dabei, auch die Abschnitte zum Hinduismus und Buddhismus des Konzilsdokumentes plausibel in die Traditionen der Kirche zu integrieren.
Norbert Johannes Hofmann untersucht die Auswirkungen auf das jüdisch-christliche Gespräch. Sein Beitrag macht sichtbar, welche Wege der Annäherung und der Reflexion über die eigene Glaubenstradition durch Nostra aetate eröffnet wurden.
Anschließend widmet sich der Beitrag von Bruno Landthaler der konkreten Darstellung des Judentums im Religionsunterricht. Dabei wird die im Bildungsplan zugrundeliegende Struktur kritisch beleuchtet: Wie können Lehrkräfte Lernende dazu befähigen, historische, theologische und kulturelle Aspekte differenziert wahrzunehmen, Vorurteile zu reflektieren und eigene Positionen verantwortet zu entwickeln?
Erkan Binici und Simone Hiller richten den Blick auf den Islam im Religionsunterricht. Hier stehen interreligiöses Lernen und Sensibilisierung für Vielfalt im Mittelpunkt. Der Beitrag zeigt, dass interreligiöse Bildung mehr ist als Information: Sie ist eine Einladung, Dialog zu leben und Vielfalt als Chance zu begreifen.
Um das eingangs erarbeite Herbstmotiv abschließend aufzunehmen, soll an dieser Stelle noch auf den Ausblick über den Winter in den sich in der Ferne abzeichnenden Frühling eingegangen werden. Bruno Strnad hat uns mit der Serie seiner Reflexionen zum Religionsunterricht durch die letzten Jahre begleitet. Nun schließt er ab mit einem Artikel, der Hoffnung aufzeigt und den unaufgebbaren Platz des Faches an der Schule positiv unterstreicht. Wir bedanken uns herzlich für seine Arbeit! Nostra aetate ist ein die Zeiten überstrahlendes Dokument: Es wirkt bis heute – als Impuls für Bildung im Dialog, als Leitlinie für respektvolle Begegnung und als Einladung, Lernende zu mündigen, verantwortungsvollen Menschen zu erziehen.